Entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS)

Infektionskrankheiten des zentralen Nervensystems  können zu schweren Entzündungen des Gehirns und des Rückenmarks führen. Infektionen des ZNS betreffen häufig immungeschwächte Patienten und kommen mehr und mehr im Zusammenhang mit innovativen und teils aggressiven immunsuppressiven und immunmodulatorischen Therapien vor. Nichtinfektiöse Entzündungen des ZNS wie die Multiple Sklerose betreffen aktuell in der Schweiz über 10 000 Patienten und weltweit ca. 2.5 Millionen Menschen. Eine frühzeitig exakte Diagnosestellung bei Patienten mit entzündlichen ZNS-Erkrankungen ist unabdingbare Voraussetzung für alle Entscheidungen bezüglich der weiteren notwendigen Behandlung.

Eine akute schwere Gehirnentzündung ist lebensbedrohlich und muss unverzüglich behandelt werden. Eine grosse Rolle bei der Diagnostik und Differentialdiagnose von entzündlichen ZNS-Erkrankungen spielt die MRT-Bildgebung. Während eine CT-Untersuchung oftmals in der Notfalldiagnostik bei klinischem Verdacht auf entzündliche ZNS-Erkrankungen zum Ausschluss eines erhöhten Hirndrucks vor einer Liquorpunktion durchgeführt wird, kann ein MRT-Bild schon in der frühen Akutphase Aufschluss über Ort und Ausmass der Entzündung geben. Insbesondere die Diffusions-MRT, Perfusions-MRT und die MRT-Spektroskopie liefern wichtige diagnostische Informationen zur Unterscheidung zwischen entzündlichen Hirnerkrankungen und anderen Erkrankungen wie Hirntumoren oder Ischämien, die in der Differentialdiagnose zu berücksichtigen sind.

MRT einer nicht immunsupprimierten Patientin mit einem bakteriellen Abszess im rechten Frontallappen (Axialschnitte; DWI und ADC sowie T1w-Sequenz nach Kontrastapplikation).